21.03.2025

ADiBe Netzwerk Hessen: Rassistische Diskriminierung bleibt häufigstes Beratungsthema


Anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus weist das ADiBe-Netzwerk Hessen auf die steigende Zahl von Anfragen zu rassistischer Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund der ethnischen Herkunft hin. Fast jede zweite Beratungsanfrage (45,8 %)* betrifft Benachteiligungen aufgrund der ethnischen Herkunft oder rassistischer Zuschreibungen – sei es bei der Wohnungssuche, im Job oder im Alltag. „Rassistische Diskriminierung bleibt eines der drängendsten Probleme in unserer Gesellschaft. Die Anfragen zeigen: Diskriminierung geschieht immer häufiger und sie wird aggressiver. Die Betroffenen brauchen mehr denn je Unterstützung und Beratung,“ erklärt Ioannis Karathanasis, Koordinator des ADiBe-Netzwerks Hessen.

Auch die Netzwerkpartner von ADiBe Hessen bestätigen diesen Trend und betonen die Notwendigkeit eines flächendeckenden Beratungsangebots:
Özgür Yıldırım und Stella Seibert, Antidiskriminierungsberatung, Spiegelbild – Politische Bildung aus Wiesbaden: “Niemand möchte Rassist*in sein - In unserer Beratungspraxis erleben wir immer wieder, dass Verursacher*innen sehr abwehrend reagieren. Dabei sollten wir uns alle mit der Kontinuität rassistischer Narrative auch in unserer eigenen Lebensrealität auseinandersetzen.”

Dr. Dorothea Terpitz, Vorsitzende Gemeinsam leben Hessen e.V.: “Aktuelle Studien zur schulischen Entwicklung belegen immer wieder, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht die gleichen Bildungschancen haben. Wenn dann noch Behinderung dazu kommt, ist es für diese Eltern oft sehr schwierig, die Rechte ihrer Kinder durchzusetzen, da sie aufgrund von sprachlichen und finanziellen Barrieren meist keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand haben.”

Christoff Jung, Leitung Regionale Diakonie Oberhessen: "Wir sehen, dass gerade im ländlichen Raum viele Menschen nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Mit unserem neuen Modellprojekt in Friedberg, Nidda und Lauterbach können wir eine kleine, aber wichtige Lücke schließen. Im ländlichen Raum braucht es mehr und langfristig angelegte Beratungsangebote."

Kompetenzzentrum Transidentität und Diversität: “Rassismus und Genderdiversität stehen im Fokus und werden für Populismus in schlechter Absicht gebraucht. Personen, die von Mehrfachdiskriminierungen in diesem Bereich betroffen sind, berichten von Zukunftsangst und dem bedrohlichen Gefühl, dass ihre Bedarfe nicht gesehen und verneint werden. Wir sind ein Ort für trans* und nichtbinäre Personen, an dem sie einfach sein können und an dem sie bestmögliche Hilfe und Unterstützung erfahren.”

„Trotz der 600-jährigen Geschichte der Sinti und Roma im deutschsprachigen Raum werden Angehörige der Minderheit jeden Tag mit antiziganistischen Vorurteilen und Ressentiments konfrontiert. Sie werden trotz ihres Status als anerkannte nationale Minderheit zu Fremden gemacht und ausgeschlossen. Deshalb müssen wir gegen jegliche Form der Menschenverachtung kämpfen und gemeinsam für demokratische Werte einstehen“ so Rinaldo Strauß stellv. Geschäftsführer vom Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Hessen.

Das ADiBe-Netzwerk Hessen bietet unabhängige, vertrauliche und kostenfreie Beratung für Betroffene von Diskriminierung. Die Träger des Netzwerks sind der Verband Binationale Familien und Partnerschaften iaf, e.V. sowie Rechte behinderter Menschen gGmbH. Das ADiBe-Netzwerk setzt sich derzeit aus folgenden Partnern zusammen: AIDS-Hilfe Kassel e.V., dgti e.V., fab e.V., Förderverein Roma e.V., Gemeinsam Leben Hessen e.V., Kompetenzzentrum Transidentität und Diversität, Kulturzentrum Schlachthof e.V., KUSS41 (Träger AHF e.V.), LIBS e.V., Maisha e.V., OFEK Hessen, Regionale Diakonie Oberhessen, Spiegelbild – Politische Bildung aus Wiesbaden e.V., iaf e.V., Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Hessen. Es wird von der Stabsstelle Antidiskriminierung im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales gefördert. Neu hinzugekommen ist ein Modellprojekt respekt*land für den ländlichen Raum, gefördert von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

kontakt@adibe-hessen.de oder https://adibe-hessen.de/de/kontakt

*Quelle: Die genannten Prozentzahlen basieren auf den Auswertungen der Beratungsanfragen des ADiBe-Netzwerks Hessen im Jahr 2024.

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