IAF Verband binationaler Familien und Partnerschaften


newsletter nr. 4 - dezember 2010

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

hier kommt unser neuer Newsletter - aktuelle Informationen aus unseren Arbeitsfeldern, den politischen Debatten und unserem Verband.  Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre - und dann bald erholsame und schöne Fest- & Feiertage!

"integrationsdebatte"??!

Seit Monaten erleben wir in Politik und Medien eine ausufernde so genannte "Integrationsdebatte", unter deren Deckmantel viele diskriminierende und rassistische Argumente breiten Raum bekommen. Mit einem Gastkommentar in der undefinedFrankfurter Rundschau haben wir dazu öffentlich Stellung genommen.

Auch viele unserer Kooperationspartner haben das explzit getan: Das undefinedDeutsche Institut für Menschenrechte macht den rassistischen Kern in Sarrazins Aussagen deutlich; das undefinedForum der Migranten und Migrantinnen im Paritätischen Wohlfahrtsverband adressierte in einem offnenen Brief klare Worte an an den bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer, und der undefinedInterkulturelle Rat formuliert unmissverständlich: "Die Integrationsverweigerer sitzen auf den Regierungsbänken". Einen guten Überblick zu den undefinedSchlagworten der "Integrationsdebatte" bietet die Website des Beauftragten für Integration und Migration in Berlin.

Unsere Gesellschaft ist längst viel weiter als die deutsche Integrationspolitik. Womöglich bringt "Integrationsverweigerer" es bis zum Unwort des Jahres 2010. Wir praktizieren unterdessen weiter wie der Integrationsbeauftragte der Stadt Stuttgart: "Gelungene Integrationsarbeit ist etwas für Wege- und Brückenbauer mit Ausdauer." In diesem Sinne möchten wir auch Sie auffordern, in Online-Diskussionen entsprechend Stellung zu beziehen und dadurch die öffentliche Wahrnehmung zu erweitern - mehr dazu Mitte Januar in unseren iaf-Informationen.

Anonymisierte Bewerbungen

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes - kurz: ADS - hat ein Pilotprojekt zu undefinedanonymisierten Bewerbungsverfahren gestartet: Dabei wird in Bewerbungen um Ausbildungs-, Arbeits- und Studienplätzen nicht nur auf Fotos, sondern auch auf Angabe von Name, Alter, Geschlecht und Familienstand verzichtet. So soll der Blick der Personaler konsequent auf die Qualifikationen gerichtet werden, um in der ersten Phase von Bewerbungen, also bis zur Einladung zum Vorstellungsgespräch, mehr Chancengleichheit zu ermöglichen.

Auf Initiative der ADS werden  Deutsche Post, Deutsche Telekom, L´Oréal, Mydays, Procter & Gamble, das Bundesfamilienministerium, die Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Stadtverwaltung von Celle ein Jahr lang anonymisierte Bewerbungsverfahren ausprobieren. Das Modellprojekt wird während der gesamten Dauer wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Aus den Ergebnissen werden Handlungsempfehlungen abgeleitet, denn die ADS "setzt auf Freiwilligkeit und Überzeugung, nicht auf gesetzliche Regelungen" . (undefinedPressemitteilung der ADS).

Die Antidiskriminierungsstelle ist mit Inkrafttreten des AGG (Allgemeindes Gleichbehandlungsgesetz) im August 2006 eingerichtet worden. Seit Februar 2010 hat Christine Lüders die Leitung übernommen - "... und in sechs Monaten schon mehr vorangebracht als ihre Vorgängerin in drei ganzen Jahren", urteilt die Süddeutsche Zeitung. Solchen Erfolg wünschen wir ihr und uns weiterhin.

Besuchsvisum - Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Für Familien, deren Angehörige in visumpflichtigen Drittstaaten leben, ist es schwierig, ein normales Familienleben zu pflegen: Oft fehlen Verwandte bei wichtigen familiären Ereignissen, weil sie kein Besuchsvisum erhalten. (lesen Sie hierzu unsere Pressemeldung von Juni 2010 und unsere undefinedForderungen an die Bundesregierung)

Welche Erfahrungen haben Sie, Ihre Familienangehörige oder auch Freunde seit April mit der Beantragung von Visa für familiäre Zwecke gemacht? Wir wollen möglichst umfangreiche Erfahrungen zusammen tragen, um mit der Veröffentlichung von Ergebnissen langfristig dazu beizutragen, die - oft langwierigen und frustrierenden - Verfahren zu verbessern.

Wir laden Sie herzlich ein, sich an unserer Fragebogen-Aktion zu beteiligen. Bitte füllen Sie den undefinedFragebogen aus und senden ihn an unsere Bundesgeschäftsstelle.

Fachtagung "Gefühlte und gelebte Realitäten"

Rund 80 bundesweit engagierte Fachleute folgten am 19. November unserer Einladung zur Tagung "Gefühlte und gelebte gesellschaftliche Realitäten". Im Zentrum der Diskussionen stand die Frage, wie eine gemeinsame gesellschaftliche Zukunft aussehen kann, in der sich Menschen mit vielfachen Identitäten und Zugehörigkeiten heimisch fühlen. 

Als "Brückenmenschen" bezeichnete Dr. Naika Foroutan in ihrem Vortrag "Deutschsein in der Einwanderungsgesellschaft" Menschen, die durch ihren Migrationshintergrund viel Erfahrung mit Orientierung in verschiedenen Welten und der Aushandlung von Unterschieden haben. Einen aktuellen Text von ihr zu der Frage "Wer gehört zum neuen Deutschland?" finden Sie undefinedhier. "Vielfalt ist ganz schön anstrengend, da nutzen romantische Verklärungen wenig.", verdeutlichte Migrationsforscher Mark Tekessidis, der wesentliche Überlegungen aus seinem aktuellen Buch "Interkultur" vorstellte (undefinedRezension auf socialnet.de). Die Dokumentation der Tagung kann ab Mitte Januar bei uns bestellt werden.

Empowerment-Projekt erfolgreich beendet

Über drei Jahre bot unser Projekt "3-2-1Mut!" in Sachsen Empowerment-Trainings für Jugendliche mit Migrationshintergrund und begleitende Elternworkshops an. 400 Jugendliche und mehr als 100 Erwachsene haben das Angebot genutzt – nun muss es wegen fehlender Anschlussfinanzierung beendet werden (hier unsere undefinedPressemitteilung und ein Artikel in der undefinedLeipziger Volkszeitung). Dennoch wird es von vielen als wichtig und erfolgreich angesehen - so erhielt es am 12.11.2010 den Sächsischen Integrationspreis 2010 "Gemeinsamkeit in Vielfalt"(undefinedPresseinformation).

Soeben ist das Handbuch "3-2-1-Mut! Das Abenteuer Empowerment." erschienen, das Konzeption, Methoden und Erfahrungen dokumentiert - Sie können es per Mail undefinedhier bestellen.

"Extremismus-Klausel" - zunächst nur in Sachsen

Was die Sächsische Landesregierung bereits zur Verleihung ihres Förderpreises für Demokratie eingeführt hat, soll nach dem Willen von Bundesfamilienministerin Schröder womöglich bald auch für Projektanträge auf Bundesebenev gelten: Wer für Projekte gegen Rechtsextremismus und für Demokratie öffentliche Zuschüsse bekommen möchte, muss künftig für die Grundgesetz-Treue seiner Kooperationspartner bürgen und sich dazu auch bei den Verfassungsschutzämtern informieren. "Annahme verweigert" war deshalb die Reaktion von AKuBiz, dem undefinedKultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz, auf die Verleihung des Hauptpreises.

Gegen die Regelung erhebt sich bundesweit Protest: "Es ist nicht hinnehmbar, dass ein staatlicher Generalverdacht gegen alle etabliert wird, die sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus engagieren". Die undefinedOnline-Petition, mit der sich mehr als 900 namhafte Forscher/innen und Initiativen gegen solche Forderungen verwehren, hat auch unser Verband unterschrieben.

Evalution zum "Nachweis einfacher Deutschkenntnisse"

Die Bundesregierung hat einen Evaluationsbericht zum "Nachweis einfacher Deutschkenntnisse beim Ehegattennachzug" vorgelegt. Der Bericht schildert vor allem die Verfahren bei deutschen Auslandsvertretungen und die Anstrengungen insbesondere des Goethe-Instituts zur Ausweitung der Sprachangebote im Ausland. Die Untersuchung dient laut undefinedBericht "... der Vergewisserung, dass die gesetzlichen Anforderungen für die Betroffenen erfüllbar sind und das Verfahren zumutbar ist."

Der Bericht fragt nicht nach Auswirkungen dieser gesetzlichen Regelung auf betroffene Paare - hierzu finden Sie zahlreiche Schilderungen in unserer Broschüre undefined"Haben Sie noch eine Idee?", die wir bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht haben. Leider sagt der Bericht auch nichts darüber aus, ob die vorgegeben Ziele der Bundesregierung erreicht werden. Damit bleiben aber die dringendesten Fragen unbeantwortet.

Für Sie gefunden

Integrationsreport - Ergebnisse zu "Interethnischen Partnerschaften"
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) will mit seinem undefinedIntegrationsreport einen "kompakten Überblick über die vorhandenen Integrationsdaten in Deutschland bieten".  In seinem Teil 7 "Interethnische Kontakte, Freundschaften, Partnerschaften und Ehen von Migranten in Deutschland" stehen drei Aspekte der sozialen Integration im Fokus: Alltagskontakte, Freundschaften und Eheschließungen bzw. Partnerschaften zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund. Das Ergebnis überrascht uns nicht: "Zusammenfassend ergibt sich ein Bild, das durch vielfältige und intensive Kontakte zwischen Einheimischen und Migranten gekennzeichet ist." undefinedHier können Sie im Detail nachlesen.

Erkenntnisse aus dem Familiemministerium
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat im November ein Dossier zu "Familien mit Migrationshintergrund" heraus gegeben, das undefinedhier herunter geladen werden kann. "In der Familie gelingt Integration nachweisbar am besten", erklärt in diesem Zusammenhang Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.
Ebenfalls aus dem BMFSFJ kommt der Abschlussbericht zu "Migrantinnenorganisationen in Deutschland", in dem es darum geht, wie Frauen mit Zuwanderungsgeschichte sich vernetzen. "Die Studie zeigt, dass Migrantinnenorganisationen häufig Selbsthilfe zur Überwindung benachteiligender Strukturen leisten und eine Brückenfunktion zur Mehrheitsgesellschaft erfüllen". undefinedHier können Sie mehr lesen.

Vorbilder in Hessen gesucht
Die INBAS GmbH in Offenbach sucht Vorbilder, zu denen Jugendliche mit Migrationshintergrund im Übergang Schule - Beruf über ein Online-Forum Kontakt aufnehmen können. Dafür geht die Frage an Sie: Wer kennt Personen, die als Vorbilder wirken könnten? Gesucht sind in Hessen lebende Männer und Frauen mit Migrationshintergrund zwischen 18 und 40 Jahren, die nach einer betrieblichen Ausbildung den Berufseinstieg geschafft haben und ihren Karriereweg mit dem Fachwirt, Meister oder einem Studium fortsetzen. Solche beruflich erfolgreiche Hessen und Hessinnen mögen sich an Anette Curth, undefinedMail, 069 - 272 24-62 wenden.

Multimediale Begegnungen
Der Deutsche Kulturrat brachte einen Programmhinweis in Umlauf, durch den sich in der unsachlichen "Integrationsdebatte" durchaus Differenzierung erreichen lässt: Mit "Gesichter des Islams" ermöglicht der undefinedSWR in einer großartigen Dokumentationsreihe multimediale Begegnungen mit dem "vermeintlich Fremden in unserer Nachbarschaft".

Lesenswert
Das Forum der Kulturen Stuttgart hat einen lesenswerten Beitrag zur "Integrationsdebatte" veröffentlicht: "undefinedAufstand der Integrierten" . Und die Integrationsagentur der Arbeiterwohlfahrt Mittelrhein gibt künftig vierteljährlich den lesenwerten Newsletter "Vielfalt - Das Bildungsmagazin" heraus. Sie können ihn undefinedhier abonnieren.


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