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newsletter nr. 4 - dezember 2010
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,
hier kommt unser neuer Newsletter - aktuelle Informationen aus unseren Arbeitsfeldern, den politischen Debatten und unserem Verband. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre - und dann bald erholsame und schöne Fest- & Feiertage!
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"integrationsdebatte"??!
Anonymisierte Bewerbungen
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes - kurz: ADS - hat ein Pilotprojekt zu anonymisierten Bewerbungsverfahren gestartet: Dabei wird in Bewerbungen um Ausbildungs-, Arbeits- und Studienplätzen nicht nur auf Fotos, sondern auch auf Angabe von Name, Alter, Geschlecht und Familienstand verzichtet. So soll der Blick der Personaler konsequent auf die Qualifikationen gerichtet werden, um in der ersten Phase von Bewerbungen, also bis zur Einladung zum Vorstellungsgespräch, mehr Chancengleichheit zu ermöglichen.
Auf Initiative der ADS werden Deutsche Post, Deutsche Telekom, L´Oréal, Mydays, Procter & Gamble, das Bundesfamilienministerium, die Bundesagentur für Arbeit in Nordrhein-Westfalen und die Stadtverwaltung von Celle ein Jahr lang anonymisierte Bewerbungsverfahren ausprobieren. Das Modellprojekt wird während der gesamten Dauer wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Aus den Ergebnissen werden Handlungsempfehlungen abgeleitet, denn die ADS "setzt auf Freiwilligkeit und Überzeugung, nicht auf gesetzliche Regelungen" . ( Pressemitteilung der ADS).
Die Antidiskriminierungsstelle ist mit Inkrafttreten des AGG (Allgemeindes Gleichbehandlungsgesetz) im August 2006 eingerichtet worden. Seit Februar 2010 hat Christine Lüders die Leitung übernommen - "... und in sechs Monaten schon mehr vorangebracht als ihre Vorgängerin in drei ganzen Jahren", urteilt die Süddeutsche Zeitung. Solchen Erfolg wünschen wir ihr und uns weiterhin. |
Besuchsvisum - Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Für Familien, deren Angehörige in visumpflichtigen Drittstaaten leben, ist es schwierig, ein normales Familienleben zu pflegen: Oft fehlen Verwandte bei wichtigen familiären Ereignissen, weil sie kein Besuchsvisum erhalten. (lesen Sie hierzu unsere Pressemeldung von Juni 2010 und unsere Forderungen an die Bundesregierung)
Welche Erfahrungen haben Sie, Ihre Familienangehörige oder auch Freunde seit April mit der Beantragung von Visa für familiäre Zwecke gemacht? Wir wollen möglichst umfangreiche Erfahrungen zusammen tragen, um mit der Veröffentlichung von Ergebnissen langfristig dazu beizutragen, die - oft langwierigen und frustrierenden - Verfahren zu verbessern.
Wir laden Sie herzlich ein, sich an unserer Fragebogen-Aktion zu beteiligen. Bitte füllen Sie den Fragebogen aus und senden ihn an unsere Bundesgeschäftsstelle. |
Fachtagung "Gefühlte und gelebte Realitäten"
Rund 80 bundesweit engagierte Fachleute folgten am 19. November unserer Einladung zur Tagung "Gefühlte und gelebte gesellschaftliche Realitäten". Im Zentrum der Diskussionen stand die Frage, wie eine gemeinsame gesellschaftliche Zukunft aussehen kann, in der sich Menschen mit vielfachen Identitäten und Zugehörigkeiten heimisch fühlen.
Als "Brückenmenschen" bezeichnete Dr. Naika Foroutan in ihrem Vortrag "Deutschsein in der Einwanderungsgesellschaft" Menschen, die durch ihren Migrationshintergrund viel Erfahrung mit Orientierung in verschiedenen Welten und der Aushandlung von Unterschieden haben. Einen aktuellen Text von ihr zu der Frage "Wer gehört zum neuen Deutschland?" finden Sie hier. "Vielfalt ist ganz schön anstrengend, da nutzen romantische Verklärungen wenig.", verdeutlichte Migrationsforscher Mark Tekessidis, der wesentliche Überlegungen aus seinem aktuellen Buch "Interkultur" vorstellte ( Rezension auf socialnet.de). Die Dokumentation der Tagung kann ab Mitte Januar bei uns bestellt werden. |
Empowerment-Projekt erfolgreich beendet
"Extremismus-Klausel" - zunächst nur in Sachsen
Was die Sächsische Landesregierung bereits zur Verleihung ihres Förderpreises für Demokratie eingeführt hat, soll nach dem Willen von Bundesfamilienministerin Schröder womöglich bald auch für Projektanträge auf Bundesebenev gelten: Wer für Projekte gegen Rechtsextremismus und für Demokratie öffentliche Zuschüsse bekommen möchte, muss künftig für die Grundgesetz-Treue seiner Kooperationspartner bürgen und sich dazu auch bei den Verfassungsschutzämtern informieren. "Annahme verweigert" war deshalb die Reaktion von AKuBiz, dem Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz, auf die Verleihung des Hauptpreises.
Gegen die Regelung erhebt sich bundesweit Protest: "Es ist nicht hinnehmbar, dass ein staatlicher Generalverdacht gegen alle etabliert wird, die sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus engagieren". Die Online-Petition, mit der sich mehr als 900 namhafte Forscher/innen und Initiativen gegen solche Forderungen verwehren, hat auch unser Verband unterschrieben. |
Evalution zum "Nachweis einfacher Deutschkenntnisse"
Die Bundesregierung hat einen Evaluationsbericht zum "Nachweis einfacher Deutschkenntnisse beim Ehegattennachzug" vorgelegt. Der Bericht schildert vor allem die Verfahren bei deutschen Auslandsvertretungen und die Anstrengungen insbesondere des Goethe-Instituts zur Ausweitung der Sprachangebote im Ausland. Die Untersuchung dient laut Bericht "... der Vergewisserung, dass die gesetzlichen Anforderungen für die Betroffenen erfüllbar sind und das Verfahren zumutbar ist."
Der Bericht fragt nicht nach Auswirkungen dieser gesetzlichen Regelung auf betroffene Paare - hierzu finden Sie zahlreiche Schilderungen in unserer Broschüre "Haben Sie noch eine Idee?", die wir bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht haben. Leider sagt der Bericht auch nichts darüber aus, ob die vorgegeben Ziele der Bundesregierung erreicht werden. Damit bleiben aber die dringendesten Fragen unbeantwortet. |
Für Sie gefunden
Integrationsreport - Ergebnisse zu "Interethnischen Partnerschaften" Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) will mit seinem Integrationsreport einen "kompakten Überblick über die vorhandenen Integrationsdaten in Deutschland bieten". In seinem Teil 7 "Interethnische Kontakte, Freundschaften, Partnerschaften und Ehen von Migranten in Deutschland" stehen drei Aspekte der sozialen Integration im Fokus: Alltagskontakte, Freundschaften und Eheschließungen bzw. Partnerschaften zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund. Das Ergebnis überrascht uns nicht: "Zusammenfassend ergibt sich ein Bild, das durch vielfältige und intensive Kontakte zwischen Einheimischen und Migranten gekennzeichet ist." Hier können Sie im Detail nachlesen.
Erkenntnisse aus dem Familiemministerium Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat im November ein Dossier zu "Familien mit Migrationshintergrund" heraus gegeben, das hier herunter geladen werden kann. "In der Familie gelingt Integration nachweisbar am besten", erklärt in diesem Zusammenhang Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. Ebenfalls aus dem BMFSFJ kommt der Abschlussbericht zu "Migrantinnenorganisationen in Deutschland", in dem es darum geht, wie Frauen mit Zuwanderungsgeschichte sich vernetzen. "Die Studie zeigt, dass Migrantinnenorganisationen häufig Selbsthilfe zur Überwindung benachteiligender Strukturen leisten und eine Brückenfunktion zur Mehrheitsgesellschaft erfüllen". Hier können Sie mehr lesen.
Vorbilder in Hessen gesucht Die INBAS GmbH in Offenbach sucht Vorbilder, zu denen Jugendliche mit Migrationshintergrund im Übergang Schule - Beruf über ein Online-Forum Kontakt aufnehmen können. Dafür geht die Frage an Sie: Wer kennt Personen, die als Vorbilder wirken könnten? Gesucht sind in Hessen lebende Männer und Frauen mit Migrationshintergrund zwischen 18 und 40 Jahren, die nach einer betrieblichen Ausbildung den Berufseinstieg geschafft haben und ihren Karriereweg mit dem Fachwirt, Meister oder einem Studium fortsetzen. Solche beruflich erfolgreiche Hessen und Hessinnen mögen sich an Anette Curth, Mail, 069 - 272 24-62 wenden.
Multimediale Begegnungen Der Deutsche Kulturrat brachte einen Programmhinweis in Umlauf, durch den sich in der unsachlichen "Integrationsdebatte" durchaus Differenzierung erreichen lässt: Mit "Gesichter des Islams" ermöglicht der SWR in einer großartigen Dokumentationsreihe multimediale Begegnungen mit dem "vermeintlich Fremden in unserer Nachbarschaft".
Lesenswert Das Forum der Kulturen Stuttgart hat einen lesenswerten Beitrag zur "Integrationsdebatte" veröffentlicht: " Aufstand der Integrierten" . Und die Integrationsagentur der Arbeiterwohlfahrt Mittelrhein gibt künftig vierteljährlich den lesenwerten Newsletter "Vielfalt - Das Bildungsmagazin" heraus. Sie können ihn hier abonnieren. |
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