die aktuellen migrations- und sozialpolitischen Entscheidungen zeigen: Wir müssen handeln – indem wir unsere fachliche Expertise einbringen, politische Verschärfungen klar benennen und uns mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Rechte und Perspektiven binationaler, migrantischer und transnationaler Familien in diesen Prozessen gehört werden. Als Verband sind wir mit Stellungnahmen, Gesprächen und Bündnisarbeit präsent – und widersprechen, wo Familienrechte beschnitten werden. Beispielsweise der gemeinsame Zwischenruf der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF).
Wachsende Lücken in Förderung und Beratung
Die aktuellen politischen und finanziellen Entwicklungen stellen uns und unsere Familien vor wachsende Herausforderungen. Wir erleben ein migrationspolitisches Klima, das immer stärker von Kontrolle und Abschottung geprägt ist und auf Kommunen mit zunehmend leereren Kassen trifft. Wenn Städte und Gemeinden sparen müssen, werden soziale Angebote oft zuerst gekürzt: Beratungsstellen, Integrations- und Sprachförderangebote, Projekte für Familien und Begegnungsräume. Das bedeutet: Nachdem unserer Geschäftsstelle in Berlin Fördergelder gestrichen wurden, ist nun auch die Geschäftsstelle in Bremen betroffen. Damit gehen zentrale hauptamtlich geführte Anlaufstellen verloren – niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote, die für viele Familien in komplexen Konfliktsituationen sowie aufenthalts-, sozial- und familienrechtlichen Belangen unverzichtbar sind.
Politische Entscheidungen mit Folgen
Das Gesetz gegen sog. „missbräuchliche“ Vaterschaftsanerkennungen schafft pauschale Verdachtsmomente gegenüber Familien, in denen Staatsangehörigkeiten und Aufenthaltsrechte ineinandergreifen. Familiäre Konstellationen geraten dadurch unter Rechtfertigungsdruck. Reformen in der gesetzlichen Krankenversicherung und in der Rentenpolitik werfen Fragen nach sozialer Absicherung und Teilhabe auf – insbesondere für Familien mit transnationalen Erwerbsbiografien, Unterbrechungen im Versicherungslauf und Sorgeverantwortung über Grenzen hinweg.
Der Referentenentwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Startchancen von Kindern und zur Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung sieht Mehrsprachigleit als Defizit. Wir sehen die unklare Qualität von Sprachstandserhebungen, die fehlenden bundesweiten Standards für Sprachförderung und die problematische Verknüpfung von Familiensprache mit „herausfordernden Lebenslagen“ kritisch. Was Kinder brauchen, ist keine defizitorientierte Einordnung ihrer sprachlichen Biografie, sondern eine Förderung, die ihre gesamte Sprachentwicklung berücksichtigt, inklusive Familiensprache. Wenn frühe Bildung gerecht sein soll, muss sie mehrsprachige Lebensrealitäten ernst nehmen. Unsere Stellungnahme.
Auf europäischer Ebene betrifft die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) die Familien. Die Reform steht für die Auslagerung des Schutzes ins außereuropäische Ausland, beschleunigte Verfahren, Unsicherheit für Schutzsuchende – mit unmittelbaren Auswirkungen auf Familienzusammenführungen und die Stabilität von Familien. Dass diese Reform ausgerechnet seit dem Loving Day umgesetzt wird, einem Tag, der weltweit für das Recht auf Liebe und Familie steht, markiert eine symbolische Schieflage und sendet ein widersprüchliches Signal an Familien mit transnationalen Biografien.
Lichtblicke?
Trotz der angespannten Lage gibt es auch ermutigende Entwicklungen: Unsere Beratungsstelle in Frankfurt kann neue Projekte mit Familien umsetzen und zeigt, wie wirksame Unterstützung aussehen kann, mit wichtigen Impulsen für Teilhabe, Beratung und Begegnung. Ebenso gibt es aus NRW ein neues Projekt: LUNI (Linguistisches Universaltalent), eine mehrsprachige KI-Puppe als niedrigschwelligen Zugang zu Mehrsprachigkeit, als Gesprächsanlass, als Brücke zwischen Generationen und als kreatives Werkzeug für Bildungs-, Begegnungs- und Beteiligungsformate.
Es wird auch deutlich, wie wichtig unsere Vernetzung ist. Nationale und europäische Bündnisse, Forschungsverbünde und Familienorganisationen arbeiten gemeinsam daran, die Perspektiven binationaler, migrantischer und transnationaler Familien in Politik und Praxis zu stärken. Sie entwickeln Wissen, gute Beispiele und konkrete Empfehlungen und sind ein wichtiger Gegenpol zu verschärfenden Debatten und Kürzungen.
neues aus dem gesamtverband
Olga Artemova hat die Geschäftsleitung in Hannover übernommen. Das sagt sie über sich:
"Nach vielen Jahren Erfahrung in migrantischen Vereinen und Verbänden - von der Praktikantin bis zu stellvertretenden Vorsitzenden und Büroleitung - freue ich mich, jetzt die Geschäftsstelle in Hannover und den Verband aktiv mitgestalten zu können. Die Arbeit des Verbands liegt mir auch persönlich sehr am Herzen, da ich selbst Migrantin bin, in einer binationalen Familie lebe und zwei dreisprachige Kinder erziehe. Zudem haben mir früher die Angebote des Verbands sehr geholfen. Meine Schwerpunkte liegen im Projektmanagement und in der Netzwerkarbeit. Ich freue mich darauf, gemeinsam neue Ideen umzusetzen und spannende Projekte voranzubringen." Ganz neu: es gibt jetzt einen Facebook- & Instagramauftritt für Hannover: https://www.facebook.com/share/14cpqZfKPVf/ & https://www.instagram.com/verband_binationaler_hannover/ Wir sagen: Herzlich willkommen!
neues aus der bundesgeschäftsstelle
save the date: 24. September in Frankfurt Fachtag "Was habe ich mit Mehrsprachigkeit zu tun?"
Welche Rolle spielt Mehrsprachigkeit im eigenen Arbeitskontext? Sprachliche Vielfalt prägt den Bildungsalltag. So wachsen in Städten wie Frankfurt rund 75% der Grundschulkinder in mehrsprachigen Familien auf. Daraus ergeben sich besondere Anforderungen für pädagogische Fach- und Lehrkräfte. Die Veranstaltung bietet eine Plattform für Austausch, Vernetzung sowie fachliche Impulse zur Stärkung von Mehrsprachigkeit in Bildungseinrichtungen.
save the date: familienpolitische fachtagung 25. November Berlin „Gewalt gegen Frauen zwischen Patriarchat und Rassismus. Perspektiven auf Familie, Staat und Gewaltschutz“
Gewalt gegen Frauen im familiären Kontext ist ein verbreitetes gesellschaftliches Problem, das eng mit Machtverhältnissen wie Patriarchat, Rassismus und sozialer Ungleichheit verknüpft ist. In öffentlichen Debatten wird Gewalt dabei oft kulturalisiert – insbesondere in Bezug auf migrantische Communities – während strukturelle Ursachen aus dem Blick geraten.
Die Fachtagung beleuchtet dieses Spannungsfeld aus intersektionaler Perspektive und fragt, wie Gewalt benannt und bekämpft werden kann, ohne rassistische Zuschreibungen zu reproduzieren. Beiträge aus Wissenschaft, Recht und Praxis verbinden Analyse, Gewaltschutz und institutionelle Verantwortung. Flyer
75 Jahre Deutscher Frauenrat
Der Deutsche Frauenrat feiert 75 Jahre. Wir haben mitgefeiert! "Die Jubiläumsfeier des Deutschen Frauenrats zeigte, was den Verband auszeichnet: Er vernetzt Akteur*innen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und Kultur und bündelt unterschiedliche Perspektiven zu gemeinsamen frauenpolitischen Forderungen. Die Botschaft des Abends war eindeutig: Auch in Zeiten von Rechtsruck und wachsendem Autoritarismus: Kein Schritt zurück bei den Frauenrechten." (DF)
Mitgliederversammlung Deutscher Frauenrat
Auf der MV verabschiedeten die Delegierten eine Rekordanzahl an Beschlüssen. Unser Verband reichte gemeinsam mit verschiedenen Mitstreiterinnen zahlreiche Sachanträge ein, die auch alle angenommen wurden. Wir sind Mitglied in zwei Fachausschüssen. Der Ausschuss "Demokratie verteidigen Antifeminismus konsequent entgegentreten. Demokratische Wahlentscheidungen unterstützen" brachte zwei Handreichungen heraus: "Klare Kante für Gleichstellung" und ein "Toolkit gegen Antifeminsimus".
aus den netzwerken
zum pride month: neue studie zu queerfeindlichkeit
Nach Berlin aktueller denn je: "Antifeminismus und Queerfeindlichkeit: Antifeminismus ist eine politische Strategie und zentraler Bestandteil rechtsextremer Ideologie und richtet sich gegen Gleichstellung, Abbau von Sexismus und die Selbstbestimmung von Frauen, LGBTQIA+ und Einrichtungen oder Institutionen, die sich für diese einsetzen." Hier klicken zur Studie.
Kindheit im Sondersystem: Praxis-Einblicke in die soziale Lage von Kindern im AsylbLG
Expertise von Save the Children und Paritätischer Gesamtverband: Fachkräfte schlagen Alarm: 87 Prozent sehen die Teilhabe der Kinder eingeschränkt; 74 Prozent halten die Gesundheitsversorgung für unzureichend; über 70 Prozent sagen, eine gesunde Ernährung der Kinder sei nicht möglich. Expertise & PM
enb - european network of binational/bicultural families
Unsere Schwesterorganisation Familia ry aus Helsinki wurde in das "Permanent Anti-Racism Civil Society Forum" auf EU-Ebene aufgenommen. Damit hat ENB auch dort eine Stimme!
Ausgerechnet am 12. Juni, zum Loving Day, trat das "Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS)" in Kraft. Wir reagierten mit einer Social Media Aktion und einem erneuten Versenden unseres gemeinsames Briefes.
Petition: Deutsches Museum für Migrationsgeschichte „SELMA“ ausreichend finanzieren!
Die Petition appeliert an die Politik, für eine ausreichende Finanzierung des Museum SELMA zu sorgen. Bitte unterzeichnen!
Stammzellspende gesucht für 8jähriges burundisch-deutsches Kind mit Leukämie!
Gesucht werden vor allem afrodeutsche/afro-europäische Spender:innen, idealerweise mit Vorfahren aus Burundi bzw. Ostafrika. Mehr Informationen: Die genetischen Gewebemerkmale (HLA-Merkmale) sind hochkomplex und müssen exakt übereinstimmen. Da diese Merkmale stark an die regionale Abstammung gebunden sind, benötigen afrodeutsche Personen meist Spender:innen mit demselben ethnischen Hintergrund. Für afrodeutsche Kinder und andere Personen mit multi-ethnischem Hintergrund ist die Suche nach Stammzellspender:innen extrem schwierig, da weltweit nur knapp 3 % aller registrierten Spender:innen einen multi-ethnischen Hintergrund aufweisen (rund 70 % sind weiss). Bitte sobald wie möglich bei der DKMS registrieren und den Aufruf weiterleiten: https://www.dkms.de/aktiv-werden/online-aktionen/yannis
In Frage kommen Personen zwischen 18 & 55 Jahren, Junge Menschen sind besonders wichtig: Menschen zwischen 18 und 26 Jahren werden am häufigsten für eine Stammzellspende angefragt, weil die Zellen höhere Heilungschancen bei den Patient:innen haben. Die registrierung ist einfach: einen testkit für Speichelproben bestellen, Wangenabstrich machen und an die DKMS zurückschicken.
aus den geschäftsstellen
frankfurt save the date! AdiBe Jubiläumstagung 4. September 2026
09:30 bis 16:00 Uhr | Haus am Dom | Domplatz 3, 60487 Frankfurt
Thema: Fachkräftesicherung in Hessen – eine Herausforderung für die Antidiskriminierungsarbeit?
Verbandsweit zeigen und zeigten wir immer Solidariät. U.a durch Teilnahmen an den Kundgegungen der csd, wie z.B. in Frankfurt. Hier unser reel dazu: https://www.instagram.com/reel/DbAviFRt6E2/ Unsere Selbstverpflichtung zur Teilnahme am CSD Frankfurt, mit der wir unser Engagement für die Rechte von LSBTIQ+-Menschen und gegen Diskriminierung bekräftigen.
Glückwünsche an Elisabeth Mach-Hour zum 80-Jährigen: Tun, was nötig ist
Wir gratulieren einer der Gründerinnen unseres Verbandes! Und würdigen ihre Verdienste im und für den Verband. Elisabeths Engagement war geprägt von ihrem unermüdlichen Einsatz gegen strukturellen Rassismus, insbesondere in bayerischen Behörden und in der konkreten Beratungsarbeit. Politische Rückschritte – wie die erneute Verlängerung der Ehebestandszeit nach zuvor erkämpften Verbesserungen – begleiteten ihren Weg ebenso wie wichtige Erfolge. Dafür erhielt sie 2005 das Bundesverdienstkreuz. Angetrieben vom Grundsatz der Gleichberechtigung setzte sie sich konsequent dafür ein, dass das Recht auf Schutz von Ehe und Familie unabhängig von Staatsangehörigkeit für alle gilt.
Elisabeth Mach-Hour und Freweini Zerai (Leitung Geschäftsstelle München)
Beharrlich kritisiert sie die fortbestehende Ungleichbehandlung zwischen EU-Bürger*innen und Menschen aus Drittstaaten, auch wegen der tiefgreifenden Auswirkungen auf Selbstbestimmung und familiäre Lebensrealitäten. Mit der Mitgründung der interkulturellen Stiftung Kolibri schuf sie zudem eine nachhaltige Grundlage, um wichtige Angebote für Familien in München langfristig zu sichern. Ein besonderer Meilenstein ihrer Arbeit ist für sie die Mitentwicklung des Begleiteten/Beschützten Umgangs, der heute bundesweit in der Kinder- und Jugendhilfe etabliert ist. Oder in ihren Worten: "Nur ein Beispiel dafür, wie wir immer auf Herausforderungen reagiert haben, weil etwas notwendig war, was es noch nicht gab"
nrw
Neu im Garten der Kultur-Vielfalt: Klimagraten Bonn!
Ein Ort zum Verstehen und Ausprobieren - Lern- und Erfahrungsort - Lernen durch eigenes Erleben
In der Landesgeschäftsstelle NRW gibt es ein neues, tolles Projekt: LUNI (Linguistisches Universaltalent), eine mehrsprachige KI-Puppe als niedrigschwelligen Zugang zu Mehrsprachigkeit, als Gesprächsanlass, als Brücke zwischen Generationen und als kreatives Werkzeug für Bildungs-, Begegnungs- und Beteiligungsformate.
stuttgart
Lunch für internationale Familien und Paare - Gemeinsames Kochen + Kinderprogramm - Kostenfrei
Sonntag, 18. Oktober + 29. November 2026 | 12 - 15 Uhr
Unsere Gruppen für Familien Schwarzer Kinder sind sehr aktiv. Um noch mehr Familien auf die Angebote aufmerksam zu machen, haben wir Plakate und Flyer entworfen, die geteilt und verteilt werden können. Inzwischen haben wir 10 Gruppen, in denen sich Familien treffen, austauschen und empowern können - diesen Gruppen gilt unsere neue Spendenaktion.
Spendenaktion
Die Spendenaktion gilt unseren ehrenamtlichen Gruppen für "Familien Schwarzer Kinder".
Gemeinsam Räume schaffen – für Empowerment, Austausch und Vernetzung! Unsere Elterntreffen für Familien Schwarzer Kinder sind ein Ort der Stärke, des Lernens und der Gemeinschaft. Hier kommen Familien zusammen, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam Wege für eine selbstbewusste Zukunft unserer Kinder zu gestalten.
Damit diese Treffen gelingen, brauchen wir Unterstützung! Wir brauchen Spenden für Räume, Spielsachen und Kinderbücher, für Möbel und Zubehör, um eine einladende und inspirierende Umgebung zu schaffen. Jeder Beitrag – ob groß oder klein – hilft uns, sichere Räume für Empowerment und Vernetzung zu gestalten.
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Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e. V.
Bundesgeschäftsstelle
Ludolfusstraße 2 - 4 60487 Frankfurt/M.