Mehrsprachigkeit

In einer zunehmend globalisierten Gesellschaft ist Mehrsprachigkeit eine wichtige Ressource. Heute leben rund 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, etwa jede/r Fünfte kommt aus einer Zuwandererfamilie (Statistisches Bundesamt 2013). Für viele Kinder aus diesen Familien ist mehrsprachig aufwachsen ganz selbstverständlich. Mehrsprachigkeit darf keine vergessene Ressource bleiben, sondern muss gesellschaftlich und politisch mehr Anerkennung erfahren.

Aufgrund seiner vielfältigen Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit wurden im Verband dazu Publikationen herausgegeben und Projekte durchgeführt. Sie finden dazu zahlreiche Beispiele auf: www.mehrsprachigvorlesen.verband-binationaler.de

Mehrsprachigkeit ist ein Gewinn

Zwei- oder mehrsprachiges Leben in einer sich einsprachig verstehenden Umwelt entwickelt sich nicht von selbst. Mehrsprachige Menschen müssen diese Ressource pflegen, damit daraus für sie eine verfügbare Kompetenz wird.

Deshalb setzen wir uns für die gesellschaftliche Wertschätzung von Mehrsprachigkeit und die Förderung von Familiensprachen ein:

Positionspapier Mehrsprachigkeit ist ein Gewinn

Positionspapier Familiäre Mehrsprachigkeit

Sonderheft Mehrsprachigkeit - iaf-infos

Mehrsprachigkeit und...

Vorteile von Mehrsprachigkeit

Mehrsprachigkeit ist ein Gewinn: So sehen es viele binationale Familien, unabhängig davon, um welche Sprachen es geht.

Mehr…. ·        

  • Mehrsprachig lebende Menschen sammeln Erfahrungen in mehreren Sprachwelten, sie haben potentiell einen größeren Kreis von Menschen, mit denen sie kommunizieren können.
  • Mehrsprachige Menschen haben mehr Möglichkeiten aktiv ihre (Sprach-) Kulturen zu durchdringen, vor allem die Schriftsprache eröffnet ihnen den Zugang zu Wissen und Kultur.       
  • Mehrsprachige Menschen haben einen differenzierteren Blick auf die Welt. Sie lernen eher andere Sichtweisen kennen, das macht sie flexibler im eigenen Handeln.    
  • Mehrsprachigkeit unterstützt die Aktivierung wertvoller kognitiver Fähigkeiten: so fällt es mehrsprachigen Kindern leicht über Sprache zu reflektieren, denn sie wissen, dass es nicht nur ein System der Verständigung gibt. Sie haben gewissermaßen einen Blick von außen auf Sprachen. Mehrsprachige Kinder sehen Gemeinsamkeiten und Unterschiede eher und erkennen Regeln schneller als einsprachige, was ihnen auch beim logischen Denken hilft.
  • Mehrsprachig aufwachsenden Menschen fällt es leichter als Einsprachigen weitere Sprachen zu lernen.
  • Mehrsprachigkeit überbrückt auch Generationen: durch die Pflege der familiären Herkunftssprache bleibt auch der Bezug zur Verwandtschaft, zum Herkunftsland und zur Herkunftskultur erhalten. Die Pflege der Familiensprache ist ein wichtiger Faktor der Identitätsentwicklung.
  • Mehrsprachigkeit bringt eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit auf einem zunehmend globalisierten Arbeitsmarkt mit sich.   
  • Mehrsprachigkeit hält auch das Gehirn im Alter fit, das ist schon länger bekannt. Dass Mehrsprachigkeit eine Demenz hinauszögern kann, liegt vermutlich daran, dass das Erlernen von mehreren Sprachen offenbar eine Art mentale Reserve herstellt, die für einige Jahre die durch eine Demenz bedingten Schäden ausgleichen kann.  

Eine Stimme aus der Wissenschaft zur Mehrsprachigkeit:

Prof. Rosemarie Tracy über Mehrsprachigkeit https://www.youtube.com/watch?v=SAlTrh_76p0

Mehrsprachigkeit und Familie

Als Eltern sind Sie die ersten Sprachvermittler und Sprachvorbilder für Ihr Kind. Der erste Spracherwerb verändert das kindliche Denken und Handeln. Persönliche Interaktion und Nachahmung sind ebenso wie Zuneigung und Voraussetzung für einen kompetenten Spracherwerb.

Tipps… ·        

  1. Kommunizieren Sie mit ihrem Kind hauptsächlich in der Sprache, in der sie auch die beste Beziehung zu Ihrem Kind aufbauen können. ·        
  2. Bieten Sie Ihrem Kind Möglichkeiten mit anderen Kindern zu spielen: mit Kindern, die Deutsch sprechen und genauso mit Kindern, die ihre anderen Familiensprachen sprechen.         
  3. Zeigen Sie Ihrem Kind, wie wichtig und nützlich es ist, zwei oder mehrere Sprachen zu können. Denn Ihre eigene Haltung überträgt sich auf Ihr Kind. Zeigen Sie daher Ihrem Kind, dass Sie alle Sprachen, die Ihr Kind lernt, schätzen.         
  4. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Sprache öffentlich zu sprechen! Zeigen Sie auch in Kindergarten und Schule, dass Ihnen Ihre Familiensprachen wichtig sind. Das ist nicht unhöflich.          
  5. Entdecken Sie mit Ihrem Kind die gemeinsame Lebenswelt. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Dinge, mit denen es sich gerade beschäftigt. Dann ist es aufmerksamer und nimmt die Sprache besser auf.
  6. Beziehen Sie Ihr Kind in Alltagsaktivitäten mit ein und sprechen Sie mit ihm – beim Essen, auf dem Weg zum Einkaufen, beim Autofahren.         
  7. Sprachen lernt man nur durch Sprechen. Fernsehen ist nur dann nützlich, wenn Sie mit Ihrem Kind danach über die Sendungen sprechen.        
  8. Schenken Sie Ihrem Kind Aufmerksamkeit und hören Sie ihm zu. Gehen Sie auf das ein, was es erzählt. Unterbrechen Sie Ihr Kind nicht beim Sprechen, auch wenn es mehr Zeit braucht, um seine Gedanken zu formulieren.        
  9. Pflegen Sie Sprachrituale: Fingerspiele, Lieder, Sprüche, Verse machen Spaß.      
  10. Erzählen Sie Ihrem Kind regelmäßig Geschichten, schauen Sie Bilderbücher mit ihm an, lesen Sie ihm vor. Geschichtenerzählen und Vorlesen haben einen ganz großen Einfluss auf die sprachliche Entwicklung des Kindes. Die komplexe Sprachstruktur und die anspruchsvolle Sprache der Bücher werden später in der Schule sehr wichtig.  

"In vielen Sprachen zu Hause" ist eine hilfreiche Broschüre für Eltern. Sie ist zweisprachig auf Deutsch-Türkisch, Deutsch-Italienisch, Deutsch-Spanisch, Deutsch-Russisch, Deutsch-Arabisch, Deutsch-Polnisch und Deutsch-Englisch erschienen und geht kurz auf die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit der familiären Mehrsprachigkeit ein. Die Broschüre möchte Eltern bei der anspruchsvollen Aufgabe der mehrsprachigen Erziehung unterstützen und Mut machen.

Sie erhalten Sie gegen Versandkosten bei Landesgeschäftsstelle NRW unter nrw(at)verband-binationaler.de oder 0228 9090411. Oder können sie hier online bestellen.

Mehrsprachigkeit und Kita/Schule

Was für alle Kinder und Pädagog/innen gilt: In allen Bildungsbeziehungen kann auf einen wertschätzenden Umgang mit Mehrsprachigkeit geachtet und Sprachbewusstheit entwickelt werden. Man muss nicht immer Sprachen beherrschen, um sprachliche Phänomene, metasprachliches Verständnis und Offenheit für sprachliche und kulturelle Vielfalt zu erklären und achtsam damit umzugehen.

Im Verband haben wir zahlreiche Projekte vor allem im Kitabereich durchgeführt. Unter www.mehrsprachigvorlesen.verband-binationaler.de finden Sie weitere Informationen.

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Mehrsprachigkeit und Arbeitsleben

Während der Umgang mit Mehrsprachigkeit im Alltag eher im privaten Entscheidungsbereich liegt , hängt der Umgang mit Mehrsprachigkeit im Arbeitsleben davon ab, inwieweit die Sprachkompetenzen auch ökonomischen Nutzen bringen. Betriebe sind hier durchaus bereit (Stichwort Fachkräfteanwerbung aus dem Ausland), Möglichkeiten zu schaffen, konstruktiv mit Mehrsprachigkeit umzugehen bzw. sie als wichtige Ressource für Kunden und neue Märkte zu sehen. Im Rahmen einer solchen wirtschaftlichen Einbindung trägt Mehrsprachigkeit auch zu wirtschaftlichem Wohlstand bei.

 

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Gesellschaftliche Anerkennung von Mehrsprachigkeit

Wird sprachliche Vielfalt als Realität anerkannt, die das gesellschaftliche Leben beeinflusst? Wird sie als Kompetenz wertgeschätzt und unterstützt? Wird dabei eine bewusste Erweiterung eigener Haltungen und Einblicke in sprachliche Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten ermöglicht?

Eine Kategorisierung in "gute" bzw. "brauchbare" und "schlechte" bzw. "unnütze" Sprachen lehnen wir ab. Es ist in jeder Hinsicht von Vorteil, mehrere Sprachen zu beherrschen. Wir setzen uns ein für eine Kultur der Anerkennung und Wertschätzung dieser Fähigkeit, denn damit einher geht der Respekt gegenüber sich selbst und anderen.

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